aus unserem Blog

April 2007:

„Komm mal bitte her und schau Dir das an, aber versprich mir: Sag nicht sofort „Nein“ dazu!“ – Neugierig geworden ging ich zu Thoralf, der gespannt vor dem Computer saß. Was ich dann zu sehen bekam, war ein gerade mal vier minütiger Info-Clip auf youtube. Allerdings ein „Filmchen“ ganz besonderer Art, voll gespickt mit Informationen über die Karibik-Insel Curacao von einem Herrn namens Jürgen Podzkiewitz. Dieser Streifen, diese 4 Minuten sollten unser Leben komplett verändern...

 

Keine zwei Wochen später saßen Thoralf und ich im Flugzeug nach Curacao, um unsere mögliche neue Heimat in spe näher unter die Lupe zu nehmen, lernten Land und Leute in Zeitraffer kennen, ständig unterwegs, um in unseren kurzen drei Wochen möglichst viele Eindrücke und Informationen zu sammeln. Was uns besonders beeindruckte? Die geradezu irritierende Freundlichkeit der Einheimischen im Alltag: Auf dem Postamt schauten wir uns nach dem Kauf des Buki de Telefon* doch sicherheitshalber noch ein paar Mal um, um zu sehen, ob wir nicht eventuell versehentlich in einen Werbespot für die hiesige Post gestolpert waren – so überaus freundlich und gut gelaunt waren wir bedient worden. Aber nein, diese Freundlichkeit war echt und kam aus tiefstem Herzen. Heute staunen wir nicht mehr darüber, wenn die Kassiererin beim Baumarkt Kooyman mal eben kurz den Refrain von „Que bonita es la vida“ laut mit trällert, das im Hintergrund im Geschäft dudelt.

 

Am Montag wünscht man sich „bon siman“ – einen guten Start in die Woche und am Freitag genauso selbstverständlich ein „feliz weekend“ – ein glückliches Wochenende. Gewiss, alles nur Kleinigkeiten und doch bringen sie so deutlich die Herzlichkeit und Lebensfreude der Menschen auf Curacao zum Ausdruck.

 

Wen wundert es da, dass wir mit steigendem Enthusiasmus die Insel auf- und abfuhren, immer auf der Suche nach der passenden Immobilie oder einem Grundstück! Am Ende reisten wir mit Wehmut ab, aber auch mit der Gewissheit, dass wir nicht zum letzten Mal auf Curacao gewesen waren.

 

Oktober 2007: Wieder ging es ab nach Curacao - zu dieser Insel, die mit einem beständig wehenden Nordostpassat gesegnet ist und gleichzeitig, da sie zu den „Inseln unter dem Winde“ gehört, von Hurrikanen verschont bleibt. Auch dieses Mal wollten wir auf Immobilienjagd gehen, doch wie wir erfahren mussten, waren wir nie schnell genug – das eine knappe, holländische „Verkocht!“ also „verkauft“ wurde eines der ersten Vokabeln, die wir sehr schnell auswendig konnten, denn wir hörten es jedes Mal, wenn wir uns für ein Grundstück entschieden hatten. Ein regelrechter Run ist es auf Häuser und Grundstücke, hier auf Curacao, da hier die Preise noch im bezahlbaren Bereich liegen, ganz im Gegensatz zu den Nachbarinseln Aruba und Bonaire, wo Häuser und Grundstücke Preise in astronomischen Höhen aufweisen. Ja und dank des starken Euros sind wir natürlich nicht die Einzigen, die hier gern einen Platz an der Sonne ergattern wollen.

 

Wenige Tage vor unserem Abflug durchstöberte Thoralf zum x-ten Mal den Makelaar, das hiesige Makleranzeigenblatt und entdeckte ein Haus in Jan Sofat. Der Preis war interessant, ein Anruf beim Maklerbüro zeigte: Objekt ist noch nicht verkauft! Allerdings war der Makler bereits vor einer Stunde mit Kunden zum Haus gefahren, also war Eile geboten. Unser Haus, machte damals noch keinen adretten Eindruck: Die fies grün-bläuliche Einbauküche, zwei muffelige, vermutlich ehemals weiße Badezimmer, deren Toiletten beim Spülen das Badezimmer fluteten, eine finstere Porch à la Wirtshaus im Spessart und ein moosgrüner Pool, in dem tote Maulwürfe und ähnliches Getier dümpelte hatten dafür gesorgt, dass dieses Haus seit August noch nicht verkauft worden war – da half selbst die beste Lage – Jan Sofat nahe dem Spanischen Wasser – nichts. Klar machten Interessenten auf dem Hacken kehrt bei diesem Anblick.

 

Thoralf und ich überlegten, was sich daraus machen ließe - mit viel Liebe, Ausdauer, Ideen und natürlich Investitionen. Es reichte ein stilles Kopfnicken zwischen uns - nun hieß es schnell handeln, denn ein junges Ehepaar mit kleiner Tochter sah sich das Objekt bereits eine ¾ Stunde länger an als wir. Schnell baten wir den Makler um eine Option, als das Ehepaar in einem anderen Raum war - was sich als weise herausstellte, denn keine 20 min. später wollte das Ehepaar, ebenfalls beim Makler eine Option erbitten. „Nein,“ antwortete er „leider ist das nicht mehr möglich. Es besteht bereits eine Option auf dieses Haus!“ – Es war so erlösend, dass dieser Satz zum ersten Mal nicht zu uns gesagt wurde, sondern wir endlich, endlich zum Zuge gekommen waren.